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Archive for September 2007

Tan poquita cosa – Eine keine Kleinigkeit 

Das ist das Lied, das meinem dämlichen Ehrgeiz, oder was auch immer es ist, getrotzt hat; dem Ehrgeiz, es doch endlich zu schaffen, endlich die Situation zu überwinden, nicht mehr bei jeder Kleinigkeit, die mich an Kinder erinnert, weinen zu müssen. Tageland hab ich das Lied jetzt im Auto gehört, und heute, auf dem Weg zu meiner Schwiegermutter, bin ich letztendlich doch in Tränen ausgebrochen. JR hat dann sofort zum nächsten Lied weitergeschaltet. Wieso bin ich nur so blöd und versuche, mir etwas selbst vorzumachen? Wieso will ich mich unbedingt zwingen, es zu überwinden? Das grenzt ja schon an Masochismus.

Con las lluvias de invierno       Mit dem Winterregen
con mis primeras canas          mit meinen ersten grauen Haaren
llegastes a mi vida                  kamst du in mein Leben
niña del alma.                       mein Mädchen, meine Seele.

Lo mismo que el levante         Genauso wie der Ostwind
vuelve loca las flores             die Blumen durchwirbelt
tu a mi me has vuelto loca      hast du mein Leben durchgewirbelt
loca de amores.                    mich verrückt nach Liebe gemacht.

Por ti daria la vida                 Für dich würde ich mein Leben geben
por ti bebo los vientos           für dich trinke ich die Winde
por ti derrumbaria                 für dich würde ich
los pilares del cielo.               die Himmelssäulen niederwerfen.

Yo no he sentido nunca          Ich war noch nie
celos por nadie                      eifersüchtig auf jemandem
y ahora niña no quiero            und nun, Mädchen, möchte ich nicht
que a ti te roze el aire.           dass dich die Luft streift.

Mi niña marinera                    Mein kleines Matrosenmädchen
la de los ojos negros              dasjenige mit den schwarzen Augen
la de la piel morena                dasjenige mit der braunen Haut
mi rosa de los vientos.             meine Windrose.

La que me ha vuelto                Dasjenige, welches
loco el corazón ,                     mein Herz verrückt spielen lässt
la que me da la vida                 dasjenige, welches mir mein Leben gibt
al despertar,                           wenn es aufwacht
la que cada mañana                 dasjenige, welches jeden Morgen
con una mirada                        mit einem einzigen Blick
me vuelve a llenar.                   mich wieder und wieder erfüllt.

Tan poquita cosa,                    So eine kleine Kleinigkeit,
eras tan poquita cosa,              du bist so eine kleine Kleinigkeit,
que te cogi entre mis manos     ich nahm dich in meine Hände
como el que coge una rosa.     wie jemand, der eine Rose nimmt.

Tan poquita cosa,                    So eine kleine Kleinigkeit
siendo tu tan poca cosa,           wie kannst du so klein sein und
llenastes mi vida entera             mein ganzes Leben füllen
igual que las mariposas              genauso wie die Schmetterlinge
llenan las primaveras.                 den Frühling füllen.

Yo no te conocia                      Ich kannte dich nicht
solo te imaginaba                      ich konnte dich mir nur vorstellen
yo contaba los dias                   ich zählte die Tage
loca por ver tu cara                  wahnsinnig, um dein Gesicht zu sehen
y un canto de sirena                 und den Gesang einer Nixe
senti por dentro                       spürte ich von innen
y solo una mirada niña               und nur ein einziger Blick, Mädchen,
basto para querernos.               genügte, um uns zu lieben.

Mi norte, mi poesia,                   Mein Wegweiser, meine Poesie,
mi cruz y mi tormento,               mein Kreuz und meine Unruhe
mi pena. mi alegria ,                   meine Trauer, meine Freude
mis sentimientos.                       meine Gefühle.

Y como ya te he dicho               Und wie ich dir schon sagte
lo mismo que al levante               genauso wie der Ostwind
tu a mi me has vuelto loca            hast du mich durchgewirbelt
como a una amante.                    wie eine Geliebte.

Mi niña marienra…                      Mein kleines Matrosenmädchen…

Tan poquita cosa……                   So eine kleine Kleinigkeit….

Tan poquita cosa…                      So eine kleine Kleinigkeit….

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Heute war wieder ein recht guter Tag!

Zuerst hatte ich einen Termin bei meiner Psychologin, und es tat so gut, ihr mal Positives zu erzählen, dass es mich fast schon wieder zu Tränen rührte, aber im positiven Sinn. Sie hat sich auch sehr gefreut, dassich langsam emotional stabiler werde, wieder Selbstsicherheit gefunden habe und mein Kämpfer-Typ wieder mehr herauskommt.

Danach bin ich zum Friseur – ja endlich mal wieder nach 7 Wochen… meine weißen Härchen, hatten schon wieder Überhand genommen, höchste Zeit, die Haare nachzufärben und es sich mal wieder gut gehen zu lassen. Spontan hab ich dann noch entschlossen, etwa 5-6 cm abzuschneiden. Meine Haare sind also immer noch lang, sehen aber jetzt wieder besser aus. Es hat zwar wieder mal ewig beim Friseur gedauert, dafür bin ich aber zufrieden raus, und dann ist etwas passiert, was mir seit vielleicht 10 Jahren nicht mehr passiert ist. Zwei Bauarbeiter haben mir mitten auf der Straße Komplimente zugerufen!  Aber welche der netten Art: „Qué mujer! Qué guapa, alta y bonita!“ also nichts Anzügliches (sonst hätte ich denen aber was erzählt…   Irgendwie peinlich! Als ich noch jung war, ist mir das hier sehr oft passiert, aber sehr oft gehen ja diese Kommentare unter die Gürtellinie. Diesmal, hats genau richtig gepasst! Und ich habe mich echt gefreut! Wenn auch ich mir gedacht habe: oje wie peinlich, ich bin schon 34, und verheiratet, und krieg immer noch lauthals auf der Straße Komplimente zugerufen… hoffentlich haben die Nachbarn das nicht mitgekriegt…) Na, egal! Für das Ego hat das unglaublich was getan!

Am Nachmittag hatte ich dann noch eine Sitzung, die letzten Endes ganz gut verlief, trotz einer Kollegin, die ich ja sooooo gern hab…

Und jetzt geht’s gleich zur 6. Neuauflage unseres Deutsch-Stammtisches! Nach der Sommerpause ist das heute unser erstes Treffen, und 15 Leutchen haben ihr  Kommen angekündigt. Na ist das nicht super? Ich freu mich!!

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…und Pasión Vega habe ich schon vor 2-3 Jahren zu einer meiner neuen Lieblings-Sängerinnen erkoren. Selten habe ich eine so reine, wunderschöne , perfekte Stimme gehört…

Und da ich seit gestern bez. Musik und Gesang (noch immer) auf Wolke 7 schwebe, habe ich mir heute Vormittag gleich eine CD von Pasión aufgelegt und höre das:

Und was passiert, wenn eine wunderschöne Stimme den wunderbaren Text eines Liebesliedes des großen spanischen Liedermachers Joan Manuel Serrat singt? Dann kommt so etwas heraus:

 

…und ich habe noch stundenlang hinterher eine Gänsehaut…

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Kinder vom Aldi

Eine Anekdote aus unserem Sommerurlaub muss ich noch erzählen.

Als JR und ich im August in Deutschland waren, haben wir zusammen mit meiner Mutter, meiner Schwägerin S. und meinen beiden kleinen Neffen einen Ausflug gemacht. Ha und S haben ja zwei Adoptivkinder aus Südamerika, und wenn meine Schwägerin – strohblond, hellhäutig – mit den beiden Knirpsen – blauschwarzes Haar, dunkelhäutig – loszieht, ist sie unweigerlich überall eine Show. Die beiden Kleinen sind ja auch zuckersüß, keine Frage. Wir saßen nun also am besagten Tag alle zusammen auf der Terasse einer Eisdiele, und einige ältere Herren vom Nebentisch waren ganz „angetan“ von meinen Neffen, schäkerten und witzelten kontinuierlich mit ihnen rum, ein bisschen ist ja immer ganz nett und einer ist stolz auf die Kleinen, aber mir persönlich als Mutter wäre das fast schon ein bisschen zuviel geworden. Aber gut, soweit so gut. Jedenfalls: wir zahlten und wollten gehen, da spricht einer der Herren S an und fragt sie doch glatt, auf die Kinder zeigend: „Wo kann man die denn kaufen?“ Mir blieb die Spucke weg. Er meinte wohl, dass das ein Witz war. Ich stand da wie ein Götze und konnte meinen Mund nicht schließen, weil ich nicht glauben konnte, was ich eben gehört hatte. So schnell konnte ich nicht nachdenken, da hatte S schon eine Antwort parat, und sagte dem Herrn seeeeeelenruhig: „Ach wissen Sie, die gab’s beim Aldi im Doppelpack: zwei zum Preis von einem.“ Die Herren brüllten los vor Lachen, sie erkannten wohl die Ironie in ihren Worten nicht, und ich war zum zweiten Mal überrascht: diesmal von der Schlagfertigkeit und der Lockerheit, mit der meine Schwägerin mit dieser Situation umgehen konnte. Hut ab!

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Ich habe heute etwas gemacht, was ich seit Monaten (Jahren?) nicht mehr getan habe: Ich habe während der Autofahrt aus vollem Herzen mit dem Radio mitgesungen, und das, ohne dass mir auch nur eine einzige Träne kommen musste.

Wenn mich etwas psychologisch stark beeinflusst hat seit meiner Krebsdiagnose, dann war das meine Liebe zur Musik. Musik, besser gesagt: Singen bedeutete für mich jeher Freude, Leichtigkeit, Leben, Zufriedenheit… Da das Jahr 2006 mit Ausnahme der Hochzeit so trist für mich aussah, verblasste damit auch der Wunsch zu singen, oder sogar: die Fähigkeit, überhaupt einen Ton hervorzubringen. Jede Melodie, jeder Text hatte immer irgendwas, was mich traurig werden ließ, auch die Lieder, die man als nicht-traurig einstufen würde. Sei es zu Hause, die Gitarre habe ich seit Monaten nicht mehr in die Hand genommen, sei es bei Treffen mit der Familie, wo wir oft miteinander singen – ich blieb entweder stumm oder musste sogar den Raum verlassen. Manchmal gab es einen Ansturm von plötzlicher Lust, etwas zu summen oder zu trällern, vorrangig, wie heute, beim Autofahren. Aber kaum hatte ich eine Strophe gesungen, schon bildete sich ein Kloß in meinem Hals und meist musste ich die Melodie abrupt in der Mitte abbrechen.

Ganz schlimm war es einmal, als ich eine CD von Daniela Mercury im Auto laufen hatte, und das wunderschöne, aber traurige Lied „A Felicidade“ von Carlos Jobim kam, das ich sehr gerne mag. „Tristeza nao tem fim – felicidade sim…“ http://www.youtube.com/watch?v=cGYFhmIjoXA – wie sehr sprach mir der Text aus der Seele, dabei kenne ich das Lied seit Jahrzehnten. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich so bei diesem Lied fühlen würde…

In den letzten 2 Monaten ist es etwas besser geworden, vorrangig aber ging mir die Musik dann nicht so nah, wenn ich gemeinsam mit anderen musisierte und – das ist das wichtigste – wenn es Melodien waren, die ich in keinster Weise auch irgendwie mit irgendwas verbinden konnte. So war es mir z B. auch möglich, ohne weiteres auf einer Hochzeit mit einer kleinen Gruppe was vorzusingen.

Vielleicht liegt es daran, dass sich 2007 wieder besser für mich gestaltet, vielleicht, besonders, weil ich einen so schönen Sommer hinter mir habe. Vielleicht hat mich meine Mitarbeit am Musikkonservatorium beeinflusst, das Ambiente… Jedenfalls wird meine Stimmung seitdem stetig besser, und scheinbar hat das auch auf meine Bereitschaft übergegriffen, wieder etwas zu singen. Im Radio lief „California Dreaming“ von den Mama’s & Papa’s – ein Klassiker, bei dem ich nicht stumm bleiben konnte. Danach – abrupter Stilwechsel, ich weiß – „It’s Raining again“ von Supertramp. Und bei letzterem kann ich noch nicht mal den Text – also hab ich spontan das Saxo-Solo mit gedudelt… es war lustig, und ich fühlte mich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder gut dabei.

Es klingt vielleicht komisch, und vielleicht kann man es als Außensteher nicht so nachvollziehen, aber ich fühle mich stärker, weil ich heute ein paar Zeilen singen konnte. Es wird mir helfen, die Untersuchungen, die ab nächster Woche wieder mal anstehen, emotional besser zu überstehen, als bei den letzten Malen. Im Übrigen bin ich bis heute total ruhig und total zuversichtlich, dass bei den Untersuchungen nur Gutes rauskommen wird.

Vermutlich ist das ein Zeichen. Vielleicht sollte ich mir wieder einen Chor suchen. Aber langsam. Alles zu seiner Zeit.

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Jetzt habe ich gute 5 Wochen (oder waren’s mehr?) meinen Blog vernachlässigt… und überhaupt war ich 5 Wochen so gut wie gar nicht an einem PC… langsam wird es Zeit, dass ich mich wieder zurück melde!

Unser Urlaub war einfach nur super. Zuerst waren wir ja 9 Tage in den Kanaren. Von den schlimmen Waldbränden waren wir zum Glück nicht betroffen, da wir weder auf Teneriffa noch auf Gran Canaria waren, sondern auf La Gomera. Allerdings landeten wir mit dem Flugzeug auf dem Flughafen von Teneriffa genau am Tag, an dem der verheerende Brand auf dieser Insel losbrach. Die große Aschewolke und die schrecklich hohen Temperaturen – 42° zeigte ein Termometer am Flughafen an, absolut ungewöhnlich für diese Breitengrade – haben uns aber doch schwer (negativ) beeindruckt, und „dank“ der günstigen Winde hat’s die Aschewolke auch die 30km rüber nach La Gomera getragen – so dass wir am nächsten Morgen auf der Terasse unserer Ferienwohnung fingergroße Asche-Teile aufsammeln konnten. Und an dem einen oder anderen Strand sind wir mit schwarzen Punkten an der Haut aus dem Wasser gestiegen – die Asche wurde noch tagelang angeschwemmt. Ganz schön schlimm und traurig, was da passiert ist! Und wenn ich daran denke, dass es Brandstiftung war, werde ich noch heute richtig wütend… Sehr traurig hat uns auch gestimmt, dass ausgerechnet unser Lieblingsdorf MASCA betroffen war. Dort sind wohl einige Wohnhäuser abgebrannt. Daran möchte ich jetzt aber nicht mehr denken…

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Ansonsten war der Urlaub auf La Gomera super erholsam, harmonisch und einfach nur wunderschön. Am ersten Tag war ich noch von der Reise extrem gerädert, und die Temperaturen waren immer noch so extrem hoch, so dass wir außer der Besichtigung des Dorfes, in dem wir wohnten, nichts weiter unternehmen konnten. Aber ab dem Tag danach haben wir dann schon erste Ausflüge machen können, zuerst mit der Linien-Fähre Guarajanay zur Hauptstadt San Sebastián und zum Valle Gran Rey, von wo aus auch unsere erste Wandertour zu einem Wasserfall losging. An und für sich konnte ich die Wanderungen ganz gut meistern. Was mich allerdings schon sehr gerädert hat (und JR übrigens auch, obwohl er ja gar keine Erkrankung hat noch Medikamente nimmt), war die starke Sonnenbestrahlung. Diese und die Tatsache, dass das erste Drittel der Wanderung eigentlich nur auf geteerten Straßen ging (wir mussten vom Hafen ja noch durch die ganzen Ortschaften von Valle durch bis zum eigentlichen Anfangspunkt der Wanderung), hat mich sehr erschöpft. Außerdem war der Weg nicht unbedingt so leicht, man mussten viel klettern, einmal sogar relativ hoch. Zum Glück haben He und C mich sehr ernst genommen und sich meinem und JRs Tempo angepasst, uns immer wieder gesagt, dass wir nur so viel laufen, wie ich auch kann, und dass wir nicht unbedingt bis ans Ziel laufen müssen. Im Endeffekt sind wir dann sogar auch etwas vor dem Wasserfall zurück geblieben, weil ich nicht mehr konnte, und nur He ist noch schnell bis zum Endpunkt gelaufen. Trotzdem war es eine wunderschöne Wanderung, entlang eines kleinen Bachlaufs, mitten durch das Dickicht, umgeben von Vegetation, und mit einmaliger Landschaft um uns herum.

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Einen anderen Tag machten wir eine Wanderung durch den Nationalpark El Cedro. Glücklicherweise wählten wir als Startpunkt einen „höher“ gelegenen Punkt und liefen dann – nicht steil – durch den Wald nur bergab quer durch den Park, inmitten märchenhaft anmutender Lorbeerbäume, Farne, Schlingen… eigentlich stellt man sich Indien so vor. Am Ende unserer Wanderung erwartete uns eine tolle kleine Gaststätte in einem Weiler, wo wir richtig deftig essen konnten, und wo Vegetarierin C dank der leckeren Papas con Mojo auch nicht zu kurz kam. Den Weg zurück schaffte ich aber nicht mehr. Deswegen blieben JR und ich im Weiler und genossen die Landschaft, während He und C – im doppelten Wandertempo als wir es geschafft hätten – den Weg zurück liefen und das Auto holten, um uns später abzuholen. Die Wanderung durch den Cedro war einer der Höhepunkte unseres La Gomera Urlaubs.

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Und ich könnte noch so viel mehr davon berichten. Davon, dass wir täglich frische Mangos zum Frühstück hatten, zum Beispiel, und dass ich davon nie Bauchschmerzen bekommen habe – zu meiner Verwunderung! Jetzt weiß ich auch, warum ich früher Mangos nie vertragen habe: weil ich sie in Deutschland immer nur unreif bekommen (und gegessen) habe! Oder ich könnte davon erzählen, wie mein Bruder und ich nachts auf dem Boden der Terrasse in totaler Dunkelheit lagen und Sternschnuppen gezählt haben. Oder wie es eines nachts in unserer Küche raschelte – und wir ein großes Loch in der sorgfältig verschlossenen Kekstüte vorfanden. Oder vom Dorffest in La Dama. Oder den Hippies im Castillo del Mar. Oder dem FKK-Strand Playa del Inglés in Valle Gran Rey (NEIN, wir haben uns nicht ausgezogen! Aber die Landschaft dort ist so einmalig, dass wir mal hinschauen wollten – ohne auf die Nackigen glotzen zu wollen!). Oder ich könnte erzählen, dass ich erwartet hatte, dass ich dank gesunder Ernährung (Fisch, Fisch, Fisch… Obst, Obst, Obst…) und vieler Wanderungen abnehmen würde – aber ganze 2 Kilo zugenommen habe! Und so weiter und so weiter. Aber dann hätte ich jetzt keine Zeit mehr, auch von unseren 3 Wochen in Deutschland zu berichten. Und das will ich doch auch noch.

Nach unserer Rückkehr von La Gomera waren wir noch ganze 3 Tage zu Hause, vor allem um Wäsche zu waschen, die Wohnung auf Vordermann zu bringen und unsere lange Autofahrt nach Deutschland vorzubereiten. Am Samstag, 11. August, ging es dann auch schon los Richtung Norden! Ich sags Euch: NIE WIEDER fahren wir an einem Wochenende durch Frankreich durch! NIE WIEDER! Wir sind fast 3 Stunden früher losgefahren als andere Jahre und sind trotzdem zu ca. der gleichen abendlichen Stunde in unserem Hotel in Besançon angekommen. Ich sage nur Stau, Stau, Stau… Zu allem Überfluss war dann auch noch das Hotel total mies. Na, somit konnten wir dann am Sonntag relativ schnell weg, uns hat da nichts gehalten… Sonntag Mittag haben wir dann in Karlsruhe Halt gemacht und meine liebe Freundin T und Familie besucht. Ich hatte T seit 6 Jahren nicht mehr gesehen. Wir waren (sind) Studienfreundinnen und waren in der Unizeit sehr eng befreundet. Zu unserer Hochzeit konnte sie leider nicht kommen, da sie zu diesem Zeitpunkt hochschwanger war. Dafür hat sie JR 2x an der Uni getroffen, an der sie arbeitet und bei der JR gelegentlich zu Besuch ist. Nun hat das Wiedersehen wunderbar geklappt! Es war ein großartiger Start in die Ferien, vor allem, weil es versprach, so ganz anders, so viel positiver als letzten Sommer zu werden.

Letztes Jahr im Sommer hatte ich meine ganz, ganz tiefe Depri-Phase. Ich war zwar in München, habe mich damals aber bei meiner Mutter ziemlich eingeschlossen, habe kaum Freunde besucht, JR und ich haben keine touristischen Besuche gemacht. Nur einen Freund, den ich auch Jahre nicht gesehen hatte und der uns zufällig über den Weg lief, haben wir dann dank seiner lieben Einladung in Augsburg besucht. Ansonsten war fast gar nichts drin. Dieses Jahr wurde alles anders. Natürlich spielte alles zusammen: meine wesentlich bessere Gemütsverfassung. Das gute Wetter. Die erholsamen Tage vorher auf La Gomera. Die Tatsache, dass wir vorab konkrete und fixe Pläne für unseren Aufenthalt geschmiedet hatten…

Zuerst waren wir etwa 5 Tage in München bei meiner lieben Freundin I und ihrer Familie. Am Feiertag, 15.08., machten wir alle einen gemeinsamen Ausflug ins Voralpenland, genauer gesagt nach Brauneck auf die Alm, danach an den Sylvensteinspeicher und als Ausklang Eis-Essen in Bad Tölz. Das war schön! Ich wollte JR schon so lange mal dahin bringen, bisher kennt er nur wenig aus der Alpenregion. Es hat ihm super gefallen. Einmal haben wir uns auch mit meiner anderen lieben Freundin S im Biergarten getroffen. Die anderen Tage in München habe ich genutzt, lästige Behördengänge zu machen und zu shoppen. Ich habe mir während des gesamten D-Aufenthalts schlappe 6 Paar Schuhe gekauft… und ich brauchte noch ein schönes Abendkleid für eine Hochzeit. Zu meinem Erstaunen ging JR jeden Tag geduldig mit mir in die Läden – normalerweise hasst er shoppen. Am Samstag, 18.08. fuhren wir dann in die Oberpfalz, wo mein Bruder Ha mit Familie lebt. Da auch meine Mutter bei ihm zu Besuch war, quartierten wir uns in einem Bauernhof ein. War richtig nett und super billig, nur mit dem Nachteil, dass die guten Gastgeber in unserem Stockwerk NUR Monteure mit einquartiert hatten! Und die standen jeden Tag um 5 Uhr auf und bereiteten sich ihr Frühstück in der Küche, die wir alle als Gemeinschaftsraum hatten, und von dem alle Zimmertüren weggingen… Dementsprechend wenig hab ich in diesen Tagen dann auch geschlafen. Ansonsten war es sehr schön. Das Wetter war nicht immer das beste, aber an den sonnigen Tagen konnten wir einen sehr schönen Ausflug zur Walhalla und eine Donauschifffahrt in Regensburg machen, sowie mit den Kiddis in einen Wildpark gehen. Am Donnerstag, 23.08. abends verabreichte mir mein Bruder (Arzt) auch die eigentlich für Samstag Vormittag fällige Zoladex-Spritze. Mein Arzt hatte gemeint, dass man gerne mal 1 Tag verschieben kann. Na, jetzt hab ich um fast 2 Tage verschoben, na es wird schon nicht so schlimm sein.

Am Freitag fuhren wir dann von der Oberpfalz los Richtung Norden, denn wir waren in Kassel zu einer Hochzeit eingeladen. Auf dem Weg machten wir mittags Halt in Bamberg. Ich wollte JR gerne diese traumhafte Stadt zeigen. Abends in Kassel haben wir dann mit einem der der anderen Hochzeitsgäste gegrillt. Am Samstag war das tolle, wahnsinnig spannende Fest (wir kannten so gut wie niemanden – es wurde sehr witzig!). Und am Sonntag fuhren wir nach Frankfurt, wo ich die lieben B und K treffen wollte.

B ist dieses Jahr ebenfalls an Brustkrebs operiert worden. Sie wollte ihre Erkrankung gegenüber der Familie geheimhalten (außer ihrer Mutter und ihrer Schwester K wusste zuerst niemand was), sie nahm dann aber nach der OP doch allen Mut zusammen und hatte mich angerufen. Ich bin sehr froh, dass sie das damals getan hat, da ich glaube, dass wir uns gegenseitig viel helfen und aufbauen können. Nun ja am Ende ist es so, dass es nun der Münchner Teil der Familie doch weiß, der Rest aber nicht. B will überhaupt, dass niemand was weiß. Wie sie sich das vorstellt, ist mir bis heute nicht klar, denn schon allein äußerlich – sie hat eine Chemo bekommen – sieht man es ja, was mit ihr los ist. Aber: was sie auch für sich entscheidet, es wird die richtige Entscheidung für sie sein. Auch wenn ich sie in vielen Dingen nicht verstehen kann, bzw. nicht so handeln würde wie sie. Z. B. hat sie sich nicht nur vor der Familie, sondern auch von all ihren Freunden und Arbeitskollegen zurückgezogen. Sie geht quasi nur aus dem Haus, wenn sie zum Arzt oder zur Therapie geht (Chemo ist inzwischen abgeschlossen, Strahlentherapie war zum Zeitpunkt unseres Besuchs fast fertig und jetzt läuft eine Antikörpertherapie, höchstwahrscheinlich für ein Jahr. B hatte enorm viel Glück, da ihr Tumor sehr früh erkannt wurde und in einem kleinen Stadium war. Allerdings hatte sie auch Pech: er war aggressiver als meiner, und, und das ist ausschlaggebend, er hatte keine Hormonrezeptoren. Heute weiß ich: Ich habe einen hohen Preis gezahlt dafür, dass ich mich für die Hormontherapie entsschlossen hatte. Den Preis der Kinderlosigkeit. ABER: ich durfte mich gegen eine Chemo entscheiden. Und: Ich muss mich keiner Antikörper-Therapie unterziehen. Die evtl. Nebenwirkungen dieser sind schrecklich! Was sind da schon dagegen meine Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, fehlende Libido, Gereiztheit und depressiven Phasen. Damit kann man leben. Aber bei einer Chemotherapie und einer Antikörper-Therapie – da gibt’s wirklich nichts mehr zu lachen. B tut mir in dieser Beziehung wahrhaftig sehr Leid. Ich meine: Ich leide mit ihr. Aber ich versuche sie immer aufzubauen. Ihr Mut zu geben. Die Dinge beim Namen zu nennen und gleichzeitig zu zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen. B ist leider von der Persönlichkeit ganz anders. Sehr verschlossen, introvertiert und so. Ich hoffe, dass sie den richtigen Weg geht. Soviel zu ihrer Psyche. Allerdings war ich positiv überrascht, wie es ihr körperlich geht. Klar, sie hat Haare verloren. Die trug ein Kopftuch. Aber sie hatte Augenbrauen, Wimpern – sie war sogar geschminkt – und unter dem Tuch lugten ein paar Strähnchen hervor. Außerdem war sie weder exzessiv dünn noch aufgeschwemmt – beides hatte ich für möglich gehalten. Ich habe mich sehr, sehr für sie gefreut, dass sich meine schlimm(er)en Erwartungen nicht erfüllt hatten. Außerdem waren wir den ganzen Tag im Frankfurter Palmengarten unterwegs. Sie ist also ziemlich viel gelaufen, war körperlich ganz schön fit. Das hatte ich nicht erwartet. Ok, ich weiß nicht, wie es ihr am nächsten Tag ging. Sie lebt ja eigentlich in Gießen und musste zudem am Abend noch zurückfahren (ihr Freund fuhr sie). Aber an diesem einen Tag erlebte ich sie wirklich als sehr fit und positiv. Das hat mich unheimlich gefreut!

Am Montag nach Frankfurt fuhren wir wieder zurück nach München. Auf dem Weg hielten wir mittags in Ingolstadt, was weder JR noch ich bisher kannten. Uns hat es sehr gut gefallen – wirklich eine schöne Stadt! In München quartierten wir uns dann bei meiner Freundin S und ihrer Familie ein. S hatte uns liebenswerterweise ihr Schlafzimmer angeboten, denn das Wohnzimmer mit Gästebett ist ein Durchgangszimmer zur Küche, und ihre Kiddis stehen normalerweise gegen 6:30 Uhr auf… Das war unheimlich lieb von ihr und ihrem Mann! Die letzte Woche in Deutschland verlief auch äußerst harmonisch. Wir sind uns nicht gegenseitig auf den Wecker gefallen… he he he. Ich musste mich leider noch einmal mit bürokratischem Zeug herumschlagen (ächz ich hasse Geldangelegenheiten!), aber wir konnten noch ein paar andere Besuche machen. So trafen wir He und C und konnten uns genüsslich die La Gomera-Bilder ansehen, meine liebe Nichte und Patenkind M konnten wir auch noch einmal sehen, und wir trafen uns noch mit meiner Patentante und mit unseren Freunden H und E, die uns ganz tolle Fotos von ihrem Urlaub in Russland und China zeigten. Nur das Wetter spielte leider nicht mehr so mit. Für unser letztes Wochenende wollten wir mit S noch einmal in die Alpen, aber es schüttete aus Kübeln. Also sind wir kurzerhand ins Bayerische Nationalmuseum, welches dank der Ritterrüstungen und der Krippensammlung auch für die Kiddis total spannend war. Am Sonntag sind wir dann noch dank des Sonnenscheins in München in den Englischen Garten und haben uns einen Kuchen am Seehaus gegönnt.

Am Montag ging dann unsere Rückreise los, und was soll ich sagen: kein Stau, keine Unfälle, ein paar Baustellen und ein paar LKWs, die uns aber kaum aufhielten, keine übermäßige Hitze… wir hatten eine tolle Fahrt! Die Nacht verbrachten wir in Montelimar an der Rhône, diesmal in einem Hotel inmitten der Stadt, so dass wir uns die Auszeit auch richtig gönnen konnten mit einem schönen Abendspaziergang. Auch am zweiten Reisetag lief alles perfekt – und wir kamen sogar 2 Stunden eher als gedacht zu Hause an! Und waren gar nicht mal sooo müde…

Jetzt bin ich aber doch wieder froh, zu Hause zu sein. Wir haben viel erlebt und es war toll – aber zu Hause ist es doch auch toll…

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