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Archive for Juni 2006

Plötzlich hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Das wurde natürlich auch bestärkt von den mit der Hormontherapie einhergehenden Nebenwirkungen: depressive Verstimmungen, massive Hitzewallungen, Schlafstörungen… Die Angst vor langfristigen Nebenwirkungen wie Thrombosen und Osteoporose, die Angst vor einem Rückfall, der neuen Entdeckung eines Krebsherdes, der Frust über die Kinderlosigkeit und die (für 5 Jahre) Unmöglichkeit zu adoptieren (auf Grund der Gesetzeslage – brauche ein positives Gesundheitszeugnis – und aus Vernunftsgründen). Wer weiß, was eine Frau in den Wechseljahren durchmacht, versteht auch, dass sich das alles natürlich auch auf die Beziehung zum Partner auswirkt. Zum Glück muss ich sagen, dass ich mit JR die richtige Wahl getroffen habe, denn ich werde keinen verständnisvolleren und einfühlsameren Menschen finden als ihn. Wieder einmal muss ich sagen, dass ich nicht weiß, ob ich glücklich (weil ich ihn habe) oder unglücklich sein soll (wegen der Erkrankung).
Nach der Rückkehr aus Madeira traf uns der nächste Schlag: einer meiner liebsten Arbeitskollegen, L., der sich mit seiner Frau noch auf unsere Hochzeit geschleppt hatte, erlag 3 Wochen nach derselbigen seiner Leberkrebs-Erkrankung. Wir hatten noch Zeit uns von ihm zu verabschieden, waren 2 Tage vorher noch in B. im Krankenhaus bei ihm. Das war uns, vor allem mir, sehr wichtig. L. und ich hatten uns sehr gut verstanden. Er hatte sich innerhalb der Jahre für mich zu etwas wie einer Vaterrolle entwickelt. Wir hatten zusammen 3 Studienfahrten organisiert, hatten beide großes Interesse an Kunst und Musik… naja, und im August 2005 hatte man bei ihm Leberkrebs entdeckt. Es war inoperabel. Damals dachte ich noch, wie ungerecht das Leben sei, denn es trifft immer die liebsten, die mit dem größten Herzen… Seine Erkrankung kam extrem überraschend, und sein Tod traf uns alle sehr.

Nach Beendigung meines Tätigkeiten haben wir versucht uns mit diversen Ausflügen auf andere Gedanken zu bringen. Das endgültige Ende meines Arbeitsvertrags stand noch an, und das enorme Desinteresse seitens meines Hauptarbeitgebers für meine Gesundheit und meinen Verbleib nach dem Ausscheiden aus meinem Amt hat mir auch noch einmal zugesetzt. Die Enttäuschung war sehr groß. Ende Juli war meine berufliche Zukunft immer noch ungewiss, aber ich hatte es immerhin geschafft, auch mit Hilfe von ganz lieben Kollegen, mir ein paar Sachen in Aussicht zu stellen. Dann fuhren wir auch wieder nach M., und zwar 1 Woche früher als ursprünglich geplant, weil es mir psychologisch überhaupt nicht gut ging. Vor meiner Mutter, die inzwischen schon 70 ist und das alles ja sehr mitgenommen hat, habe ich allerdings versucht, meine psychologische Belastung zu verstecken. Das Wetter in M. war im Sommer 2006 war ja leider auch nicht gerade das Beste… und hat dementsprechend meinen Gemütszustand beeinflusst. In den ersten Wochen bin ich kaum aus dem Haus. Mein Bruder verschaffte mir einen Besuch bei einer Psychologin, was mir gezeigt hat, dass ich es jetzt ohne professionelle Hilfe einfach nicht mehr schaffte, und so entschloss ich mich, später hier in T. zu einer Psychologin zu gehen. Gegen Ende meines M-Aufenthaltes ging es mir schon viel besser, ich bin öfter aus dem Haus. Meine Familie hat mir sehr geholfen.

 

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