Heute morgen erhielt ich einen (erwarteten) Anruf vom Koordinator der Deutschkurse am Sprachenzentrum (SL) der Uni, wo ich seit 2 Jahren mit 9-Monats-Verträgen (Oktober-Juni) unterrichte. Wir sind am SL eine Menge Sprachendozenten, wobei fast alle Englisch unterrichten. Für die anderen Sprachen gibt es jeweils nur 1 Dozentin/en für Französisch, Italienisch, Chinesisch, und 2 Dozentinnen für Deutsch. Mit meiner Deutsch-Kollegin bin ich von Anfang an nicht ausgekommen. Seit dem ersten Tag dort, nein, schon früher: Seit ich dort vor vielen Jahren mal 3 Monate eine Vertretung übernommen hatte, werde ich von der Dame gemobbt. Ich werde in keine Details und Verurteilungen eingehen, außer, dass das schlimmste, was sie mal fertig gebracht hat, war: mich des Diebstahls von Lehrmaterial aus dem SL zu bezichtigen. Zum Glück ist die Persönlichkeit von A., meiner Kollegin, hinreichend bekannt – sie kommt nur mit sehr wenigen Leuten aus. Kollegiales Verhalten ist ein Fremdwort für sie, und auch privat (ich kenne viele Leute, die sie kennen) mischt sie sich in Dinge ein, die sie nichts angehen, tratscht und verbreitet Geschichten über Untreue von einzelnen Leuten gegenüber deren Lebenspartnern usw. egal, ob diese Geschichten nun stimmen oder nicht. Das kurz als Einstieg, damit Ihr Euch ein Bild von ihr machen könnt.
Nun, anlässlich wiederholter Probleme zwischen ihr und mir hat unser Koordinator S., nicht zum ersten Mal übrigens, versucht, zu vermitteln, bzw. sie zur Erledigung einiger Arbeiten, die er von uns beiden verlangt hat, zu bewegen (sie hatte sich wieder mal geweigert, mit mir zusammenzuarbeiten). Dieser Vermittlungsversuch muss wohl ein ganz, ganz übles Ende gehabt haben. S. hat mir damals keine Details erzählt, was ich total richtig finde denn diese gehen mich nichts an, ich fand das sehr diskret von ihm. Das einzige, was er mir damals, vor Monaten gesagt hatte, war dass sie sich ihm gegenüber was geleistet hat, was Konsequenzen für sie haben würde.
Diese Konsequenzen hab ich nun heute Morgen erfahren, und es ist genau das, womit ich gerechnet hatte. Nein, nein, sie “verliert” ihren Job nicht, das fände ich auch saublöd, denn nur weil man mit mir nicht auskommt, soll niemand seine Arbeit verlieren. Ob ich nun im Recht bin oder nicht. Aber: Die beiden Stellen werden neu definiert. Zu meinen Gunsten. Bisher sah es so aus: A.’s Vertrag beinhaltete den Unterricht zweier Deutschkurse (Deutsch 1 und Deutsch 3) direkt im SL sowie zwei Deutschkurse (externer Lehrauftrag) an der Fakultät, an der JR auch Englisch unterrichtet. Außerdem bekam sie bisher den Sonderauftrag (eigener Vertrag), im Juli den Intensivkurs für Deutschanfänger zu unterrichten.
Ich wiederum (ich bin ja viel später reingekommen) unterrichte am SL nur zwei Gruppen, Deutsch 2 und Deutsch Konversation.
Die (kostenpflichtigen) Kurse, die direkt am SL-Zentrum gegeben werden, unterliegen leider aber der Vorgabe, dass sie nur gegeben werden, wenn sich ein Minimum von Schülern anmeldet. Und Deutsch leidet seit Jahren unter fallenden Schülerzahlen, leider. Das bedeutet, dass man mit einem Kurs weniger oder sogar ohne Arbeit dastehen kann, obwohl man den Arbeitsvertrag bekommen hat. Nicht so die externen Kurse, die direkt von der Uni finanziert werden, weil sie speziell für die Studenten dieses Studiengangs gedacht sind.
S. rief mich also heute Morgen an und erkärte mir, dass die Ausschreibung unser beider Dozentenstellen für das kommende Studienjahr 2008/2009 (ja, wir müssen uns von Jahr zu Jahr immer wieder neu bewerben!
) neu aussehen wird:
1. Eine Deutschdozentur NUR direkt am SL-Zentrum, also 4 Kurse (4x 90 Stunden): Deutsch 1, Deutsch 2, Deutsch 3 und Deutsch Konversation.
2. Eine Deutschdozentur NUR für den externen Unterricht, also 2 Kurse (2x 120 Stunden).
Sinn der Sache ist, dass wir zwei, also A. und ich, uns auf diese Weise aus dem Weg gehen können und uns nicht absprechen müssen, wenn wir (bisher eigentlich zusammen!) die Unterrichtsinhalte konzipieren und die -ziele festlegen müssen.
Obwohl wir uns auf diese Stellen immer wieder neu bewerben müssen, ist es so, dass der SL die gleichen Leute immer wieder einstellt, wenn er mit ihnen zufrieden war. Die Vorgehensweise ist zwar arbeitsrechtlich mehr als fragwürdig, aber dafür kann das SL nichts. Das Rektorat ist nicht gewillt, andere, feste Verträge auszustellen. Die Gewerkschaft ist schon seit einiger Zeit dabei, da was zu verhandeln, aber im Moment schaut es nicht so aus, als ob diese Vertragsverhältnisse überarbeitet werden (aber das ist jetzt eine ganz andere Geschichte).
So, nun gibt es eben zwei neu definierte Stellen und ich frage mich, welche für mich nun die bessere ist:
Stelle 1 hat:
Vorteile = das SL-Zentrum ist nur 400m von meiner Wohnung weg. Es summieren sich viel mehr Unterrichtsstunden, was also auch mehr Geld bedeutet. Ich bin da schon seit 2 Jahren + der 3 Monate damals dabei, “kenne” also den Betrieb sehr genau. Ich kann diesen Unterricht perfekt mit meinem Unterricht in den Firmen kombinieren.
Nachteile = Es kann passieren, dass ich nicht alle 4 Kurse, mangels Anmeldungen von Schülern, geben werde. (wenn 1 oder 2 Kurse ausfallen, kann ich damit leben, wenn mehr ausfallen, wird es brenzlig). 2. Nachteil: Ich bin weiterhin von Montag bis Donnerstag jeden Abend bis spät blockiert. Der Unterricht wäre jeden Tag von 18-21 Uhr. Das bedeutet weiterhin sehr späte Abendessenszeiten und keine Möglichkeit, irgendwelchen Hobbies (Chor…) nachzugehen. Ich hatte das jetzt 2 Jahre lang und ich sage Euch, es ist kein Zuckerschlecken, und grad im Winter bin ich immer todmüde, wenn ich heimkomme.
Stelle 2:
Vorteile = Ich hätte, zumindest für das Studienjahr 2008-2009 zwei Kurse 100% sicher, also wirkliche 240 Stunden. Ich wäre an dem Arbeitsplatz, an dem auch JR ist, wir könnten uns das so einrichten, dass wir gemeinsam mit dem Auto fahren (ist in einer anderen Stadt, 15 Auto-Minuten entfernt) und wir müssen uns nicht koordinieren weil wir beide an verschiedenen Orten sein müssten (er an der Fakultät, ich in den Firmen), wohin man nur mit dem Auto kommt. Außerdem hätte ich jeden Abend der Woche FREI und kann mir Zeit für meine Dinge nehmen… einem Chor beitreten…
Nachteile = Ich kann den Unterricht nicht mit den Firmen kombinieren. Das bedeutet dann, dass ich NUR diesen Unterricht mache. Hat zwar den Vorteil, dass ich dann nicht mehr an verschiedenen Stellen bin, was auch nervenaufreibend ist, aber den Nachteil, dass ich viel weniger verdiene. Und jetzt das Schlimmste: JR weiß aus ganz sicherer Quelle, dass die Fakultät für ihre Studenten das Erlernen der deutschen Sprache aus dem Studienprogramm wegnehmen möchte. Das wird zwar nicht 2008-2009 geschehen, aber vermutlich, relativ sicher, 2009-2010. Das bedeutet, dass die Dozentin, die an diesem Ort unterrichten wird, vielleicht im Jahr danach auf der Straße steht. Diese Information habe ich natürlich für mich behalten, JR hat sie mir im Vertrauen erzählt und ich werde mir außerdem nicht ins eigene Fleisch schneiden und das weitererzählen.
Trotzdem bin ich jetzt ein bisschen in der Zwickmühle. Die Vorteile der zweiten Stelle (abends keinen Unterricht mehr…) find ich ja nun auch nicht so schlecht, auch wenn es mich ziemlich stark zu Stelle 1 zieht (nähe von zu Hause…, “relative” Sicherheit…). Der Koordinator S. jedenfalls hat mir prophezeit, dass – auch wenn er auf A. stinkesauer ist und ihr Vertrag sozusagen “beschnitten” wird – man ihr das Recht zugestehen will, die Stelle auszuwählen, die ihr lieber ist. Ich will ja kein Holz ins Feuer werfen und vor allem will in in Zukunft nicht (z. B. von anderen Kollegen) dafür verantwortlich gemacht werden, dass ich Schuld an ihrer verschlechterten Situation bin. Deswegen bin ich jetzt zu dem Thema ein bisschen still. Aber ungerecht finde ich das schon, dass sie “weil sie schon länger bei uns ist” (wörtliches Zitat) wählen darf. Letztes Jahr, während des Bewergungsprozesses, kam nämlich raus, dass ich wesentlich mehr Eignungspunkte erhalten hatte als A. Hätte ich mich auf ihre Stelle damals beworben, hätte ich sie komplett rausschmeißen können (hätte ich aber auch nicht wollen, aber allein der Gedanke ist Gold Wert). Ich habe S. dann gefragt, wie ich denn dann vorgehen soll, wenn A. wählen darf. Und wenn sie genau die Stelle wählt, für die ich mich beworben habe? Ich fragte ihn dann, ob es ihnen Recht wäre, wenn ich mich einfach auf beide Stellen bewerbe. Und ganz am Ende unseres Gesprächs hab ich es dann doch nicht ausgehalten und ihm von der letztjährigen Punkteverteilung erzählt. Das hat ihn überrascht. Jedenfalls ist es jetzt so ausgegangen, dass unser Chef J. demnächst mit mir und A. einzeln und getrennt darüber sprechen will. Ich werde ihn dann nochmal gezielt fragen, wie sie sich das gedacht haben, wie ich vorgehen soll. Ob ich mich bei beiden Stellen bewerben kann/soll und ob ich nicht doch auch ein kleines Anrecht darauf habe, zu wählen… Mal sehen. Ich muss da verdammt vorsichtig vorgehen und viel Fingerspitzengefühl haben. Zur Not möchte ich aber lieber den Kürzeren ziehen, als noch mehr Probleme zu haben. Das Mobbing von A. hat mir so zugesetzt, dass ich keine Lust auf mehr Gerüchte und sonstigen Sch… habe.







Liebe Masca,
ich habe das letztes Jahr ja mitbekommen und weiß, wie sehr Du unter dieser Person gelitten hast/leidest.
Ich würde Dir gerne sagen, was zu tun ist, damit es gut ausgeht. Ich kann auch verstehen, dass Du keinen Ärger willst. Insofern ist es bestimmt “weise” das Gespräch abzuwarten und dann zu entscheiden bzw. Dir einen Rat geben lassen.
Ich würde vermutliche die “sichere” Stelle wählen… Aber ich glaube darüber zu spekulieren ist jetzt müßig, denn am Ende ist es ja erstmal wichtig, dass Du eine der Stellen hast.
Ich drücke Dir jedenfalls ganz dolle die Daumen!!!!
Liebe Grüße
Nadine
Liebe Masca,
schwierig.
Auf Anhieb würde ich sagen: Stelle 1. Das ist die sichere Stelle. Ich würde meine Energie nicht in die zweite Stelle geben, wenn die früher oder später aufgelöst wird.
Allerdings hat diese Stelle auch ihre Schwierigkeiten. Ich halte es für völlig unproblematisch wenn die Frau den Job mit den weniger Stunden hat oder gar keinen mehr. Schuld bist Du sicher nicht. Du bewirbst Dich und was rauskommt ist nicht Deine Sache. Sie hat Dich gemobbt, sie kommt mit keinem zurecht und macht Probleme. Ich finde schon, dass das Gründe sind, wieso man nicht mehr mit jemanden arbeiten will. Hätte ich eine Firma, würde ich UnruhestifterInnen nicht haben wollen und ich finde das legitim. Also lass das schlechte Gewissen weg und vergiss die Frau. Sie hat Dich gemobbt, Dein Mitgefühl verdient sie nicht, denke ich.
Schau mal was im Gespräch rauskommt, Fingerspitzengefühl ist da sicher nicht verkehrt. Ich würde aber auch klarmachen, dass ich die Stelle, 400 m von der Wohnung entfernt gerne hätte. Also ein bisschen drum werben, dezent.
Ich wünsch Dir ganz viel Glück und Mut und eine anständige Portion Egoismus.
Die Abendgestaltung… ich verstehe Dich bestens. Ich schaue auch immer, dass ich meinen Vergnügungen nachgehen kann. Aber in dem Fall würde ich sehen, dass ich anderes finde, was mir Spaß macht und abends arbeiten. Das wäre mir die sichere Arbeit wert.
Liebe Grüße
Kathi
Danke Ihr zwei für die Ratschläge. Auch ich tendiere ja zu Stelle 1. Ich denke, die Sicherheit überwiegt ganz einfach, und falls tatsächlich Kurse ausfallen sollten, kann ich vormittags und nachmittags mit mehr Kursen in den Firmen “aufstocken”. Die Koordinatorin meiner Firmenkurse hat mir neulich eh gesagt, dass sie ab September mehr für mich hat, weil die andere Deutschlehrerin dort (und Freundin von mir) vermutlich aufhören wird. Nur: ich will eigentlich weg von den Firmen, höchstens noch 2 Gruppen dort haben, deswegen ist auch die Aufstockung der Kurse an der Uni so verlockend. Trotzdem: die Firmen sind noch ein Trumph im Ärmel, falls von den “sicheren” Kursen was schief geht. Ich hab jetzt eine Nacht drüber geschlafen und werde mir immer sicherer, dass ich das will – auch wenn die Abende “drauf gehen”. Jetzt warte ich aber erst mal das Gespräch mit J. ab, der hat sich noch nicht gemeldet bei mir.
Mir ist noch was eingefallen. Ich hab noch einen Trumph in der Hand. Und zwar ist das meine derzeitige Krankschreibung. Stelle 1 würde nämlich zum 1. Oktober (ca.) beginnen, Stelle 2 aber schon zum 1. September. Ein Kollege von mir, der in der Gewerkschaft ist, hat mir heulich gesagt, ich solle verdammt aufpassen, denn wenn ich zum Stellenantrittsdatum noch krank geschrieben bin, verliere ich diese, auch wenn ich vorher ausgewählt wurde. Also könnte ich beim kommenden Gespräch mit J. (er hat sich immer noch nicht gemeldet
) das ansprechen und sagen, dass ich noch nicht 100% weiß, ob ich zum 1. September schon wieder “gesund” bin.
Hier geht’s weiter: http://masca1.wordpress.com/2008/07/01/gesprach-mit-j-wegen-nachstes-studienjahr/