Ihr lieben Drei,
ihr seid sooo lieb…
Also JR hat wieder einige “gute” Tage. Ich freu mich. Aber ich hab auch Angst, das kann von einem Moment zum anderen wieder anders ausschauen. Zu Euren Ratschlägen:
- JR liest hier nicht wirklich mit, jedenfalls nicht bewusst. Manchmal, wenn ich tippe und er neben mir sitzt, lugt er mit hinein. Mehr aber auch nicht. Es sei denn, er besucht die Seite ohne mein Wissen, wenn er mal in einem anderen Zimmer sitzt (ich sitze meist im Wohnzimmer und Balkon, er wechselt zwischen Wohnzimmer und Arbeitszimmer, wir haben beide jeweils einen Lappi und W-Lan).
- JR geht seit Dezember zur gleichen Pschologin (Dr. “Pannenhilfe”) wie ich. Vielleicht habe ich vergessen, das mal zu posten. Aber es ging von ihm aus, und ich bin sehr froh darüber, dass er das alles ernst nimmt und bei ihr ist. Dr. Pannenhilfe ist eine fantastische Frau. Sie ist außerdem Sexologin und Familientherapeutin. Also genau die Richtige, abgesehen von ihrer Persönlichkeit, die uns beiden sehr zusagt. Wir gehen aber jeweils einzeln zu ihr. Nach den Sitzungen löchere ich JR nicht mit Fragen, wie es war. Ich überlasse es ihm zu entscheiden, was und wie viel er mir über die Sitzungen erzählen möchte. Ich erzähle ich meist alles von mir. Und es ist ok so wie es ist. Ich finde, er darf nicht das Gefühl haben, dass ich ihn bedränge, oder dass ich enttäuscht wäre, wenn er mir nicht alles erzählt (ich bin es nämlich nicht). Ich finde auch, dass er seine, sagen wir mal “Geheimnisse”, wenn er denn welche hat, auch behalten darf. Dass er mir nicht immer alles erzählt, hat gar nichts damit zu tun, dass unser Vertrauen gestört ist. Ganz im Gegenteil. Indem ich nicht alles wissen muss, beweise ich ihm, dass ich ihm voll und ganz vertraue. Wenn ich mehr Details wissen wollte, dann aus reiner Neugierde, und das kann es nicht sein. Also frage ich ihn nur allgemein wie es war, und nicht weiter. Wenn er mir Details erzählen will, dann macht er das von selbst. Zum Beispiel hat er mir erzählt, dass er sehr zufrieden mit Dr. Pannenhilfe ist. Dass sie ihm 2 “Hausaufgaben” gegeben hat: Erstens, dass er sich unbedingt seinen Alltag disziplinieren muss, einen Ablaufplan erstellen muss an den er sich strickt halten soll (wie eine Art Stundenplan). Das hat er bis jetzt leider nicht gemacht. Und Zweitens, dass er unbedingt Sport treiben soll. Mindestens 1x wöchentlich, lieber öfter. Er hat es versucht, er ist 1,2 x joggen gegangen. Das war’s aber dann auch.
Was das sprechen mit einer Beugsperson betrifft, gibt’s noch etwas: Ich hatte ihm das schon vor langer Zeit nahe gelegt, schon sehr lange bevor er selbst eingesehen hatte, dass er Hilfe braucht und zu Dr. Pannenhilfe ging. Das Problem ist: Er hat 2 sehr gute Freunde, mit denen er reden würde. Nur leider leben die nicht in Römerstadt! Der eine, sein bester Freund A., hat einen äußerst stressigen Job in der Nähe von Geiselstadt und macht nebenbei ein MB in der 100km entfernten Großstadt. Vor einigen Monaten ist er außerdem mit seiner Freunden in der Großstadt zusammengezogen, fährt also täglich zur Arbeit an die 100km hin und dann wieder zurück. Telefonate sind selten, von Treffen spreche ich gar nicht erst. Trotzdem wäre er DIE Ansprechperson für JR. Aber JR lässt sich nicht davon überzeugen: A. habe so viel Arbeit, A. habe soviel Stress, A. könne eh nicht nach Römerstadt kommen usw. usf. sind JR’s Argumente. Der zweite Freund ist F., von dem ich erst vor kurzem geschrieben habe. Auch F. könnte man als “besten Freund” bezeichnen. Aber auch F. wohnt nicht in Römerstadt, sondern ca. 80km südlich von uns. Er arbeitet da, wo er wohnt. Aber er und seine Frau M. kommen gelegentlich nach Römerstadt, so einmal jeden Monat oder alle 2 Monate, am Wochenende. Da rufen sie uns auch meist an, um sich mit uns zu treffen. JR hat es neulich ENDLICH eingesehen und sich vor ca. 10 Tagen mit F. alleine getroffen, um mit ihm zu reden! Ich bin sehr erleichtert, dass er diesen Schritt endlich gemacht hat.
Als drittes fällt mir noch JRs Schwester A. ein. Die beiden waren immer sehr eng miteinander. Leider hat sich das in den letzten ca. 3-4 Jahren verändert. Wie wir finden, der Einfluss unseres Schwagers, der ein Einzelgänger ist und ein bissel komisch, der -vermuten wir- keine Lust auf Familientreffen hat usw. Jedenfalls ist es so, dass die seit Geburt ihres Kindes vor 2,5 Jahren nie Zeit am WE haben, weil sie sie mit ihren Freunden verplanen. Dass sie mal was mit uns planen, geht nicht. Zu meiner Schwiema zum Mittagessen mal an einem Sonntag machen sie auch nicht mehr. Inzwischen ist es so, dass wenn wir sie mal sehen, dann nur meine Schwägerin mit dem Kind und das unter der Woche, weil sie dann mal kurz bei uns vorbeischaut. Das passiert so alle 1-2 Monate. Meine Schwiema fährt unter der Woche recht oft zu meiner Schwägerin, aber das Wochenende ist “tabu”, da soll sie nicht kommen, denn meine Schwima könnte ja dem Vater des Kindes Konkurrenz machen und das Kind habe dann nix vom Vater, der unter der Woche arbeitet (aber trotzdem sein Kind sieht, so ist es nicht!). Es ist also ungefähr so: ein unausgesprochenes, aber sehr deutlich gefühltes “Verbot”, dass wir am WE bei meiner Schwägerin mal sind, oder dass die mal zu uns kommen. Diese Haltung und noch einige andere, sehr komische Dinge mehr haben JR und seine Schwester voneinander distanziert. Trotzdem glaube ich, dass meine Schwägerin die ideale Ansprechperson von JR ist, weil sie ihn 150% kennt. Von klein auf. Niemand kennt ihn besser als sie. Auch hier hab ich JR öfters mal angesprochen, er solle doch trotz aller Abblockversuche nicht nachgeben und ein bisschen auf den Kontakt bestehen. Hat er gelegentlich auch gemacht. Aber mit ihr über seine Sorgen gesprochen, hat er fast gar nicht. Meine Schwägerin hatte in den letzten 12 Monaten auch arge Probleme, sie ist ganz übel auf Arbeit gemobbt worden, geht zur Psychologin usw. Aber seit 2 Monaten hat sich das endlich alles gelöst, sie arbeitet jetzt woanders und so… JETZT könnte er doch einen “Angriff” wagen… ich werde das bei Gelegenheit noch einmal versuchen, behutsam mit ihm anzusprechen.
- Ja, es gibt außer meiner Krankheit auch andere Aspekte, die ihn belasten… Was ich nur vesucht hatte auszudrücken war, dass ich glaube, wenn es die Belastung der Krankheit nicht gäbe, dann hätte er mehr Kraft in der Reserve, die anderen Probleme zu verarbeiten. Aber so scheint, dass alles über ihn einstürzt. Am stärksten belastet ihn, das hast Du richtig erkannt Kathi, seine berufliche Situation. Ich muss das vielleicht noch erklären. Also: Im MOMENT arbeitet er zu 80% zu Hause. Aber es ist so, dass JR – übrigens genauso wie ich – nicht nur 1 Arbeitgeber hat. Er arbeitet für 3 verschiedene Stellen, eine davon ist Unterricht an der Uni. Das Problem ist, dass sein Vertrag vorsieht, dass der gesamte Studienjahres-Unterricht auf 3 Monate konzentriert, von Oktober bis Dezember, gehalten wird. Das bedeutet: im Herbst hat er volle Kanone und ziemlichen Stress. Da hat er aber auch den meisten Kontakt zu Menschen. Besser wäre es natürlich, dass sich das mehr verteilt, aber das lässt sich nicht ändern, weil der Studienplan das so vorsieht. Die anderen beiden Sachen, die er arbeitet: das eine sind Online-Unterrichtskurse für die Uni. Da muss er in kein Büro gehen, dass kann er von zu Hause aus machen. Und als drittes ist er ja selbständiger Übersetzer. Also wieder: er hockt zu Hause. Und dann kommt noch seine Doktorarbeit dazu. Auch ein einsames Geschäft. Zum Glück hat er sich vor ca. 10 Monaten einer Forschungsgruppe der Uni aus der Großstadt angeschlossen, vermutlich wird er demnächst auch den Doktor-Betreuer wechseln. Das hat als Folge, dass er 1x im Monat, zwischendrin auch mal wöchentlich, in die Großstadt zur Uni fahren muss. Also: Er macht tausend Sachen, aber beim Großteil davon ist er allein und zu Hause. Diese Situation macht ihm schwer zu schaffen. Er versucht ja immer wieder, eine feste Arbeit zu finden und hat sich schon oft auf andere Stellen in der Uni beworben. Und obwohl er schon “drin” ist, hat es nie geklappt. Jetzt z. B. ist gerade eine Bewerbung am Laufen, auf die wir sehr gespannt sind und die wirklich eine große Lösung bieten würde, wenn auch der Inhalt nicht wirklich was mit dem zu tun hat, was er jetzt macht: es handelt sich um eine Verwaltungsstelle in der Uni, im Forschungs-Support. Details weiß ich jetzt nicht genau, irgendwie soll er da innerhalb der Fakultät die Leute betreuen, die Forschung betreiben. Es wäre eine 30h/Woche-Stelle mit gar nicht so schlechter Bezahlung (14 Monatsgehälter – festes Einkommen und nicht mehr unsicher und flexibel, wie derzeit), feste Arbeitszeiten (Routine in seinem Altag!), und noch genug Zeit, um parallel an der Diss zu sitzen und mal an einem Freitag Nachmittag in die Großstadt zu fahren.
Die Bewerbung läuft so ab: Er hat bereits alle Formalitäten eingereicht, Lebenslauf, Bewerbungsbogen, Zeugnisse usw. Dann werden alle Kandidaten, die die Voraussetzungen haben (hat er), zu einer Bewerbungsprüfung eingeladen. Da geht es dann um verschiedene Dinge, u. a. wie gut man die Uni kennt und so. Und zum Schluss werden die Kandidaten zum Gespräch eingeladen, ob alle oder nur ein Teil, weiß ich grad nicht.
Bitte drückt uns die Daumen!
- Kinder und Adoption. Das Problem ist, dass das Thema allgegenwärtig ist, zumindest in meinem Kopf. Bei ihm vermutlich nicht so sehr, außer, dass er weiß, wie wichtig es mir ist und es ihm Leid tut, dass ich mir diesbezüglich so einen Kopf mache. Ich versuche mich immer mehr von dem Thema abzuwenden, nicht zuzulassen, dass es mein Leben dominiert. Aber es ist sehr schwierig, vor allem wenn man damit – wie heute bei meinem Besuch bei der Gynäkologin (eigenes Posting dazu folgt später) – ständig damit konfrontiert wird. Oder neulich, beim Surfen in diversen HP’s und Blogs von anderen Brustkrebs-Patientinnen, z. B. hab ich den Blog von einer gefunden, die relativ schnell nach Ende der Chemo wohl schwanger geworden ist, oder ein Artikel in der letzten Mamma Mia, wo ebenfalls eine Frau berichtet, dass sie nach ihrer Chemotherapie eine Tochter bekommen hat (und danach ein Rezidiv hatte!!! Dieses aber zum Zeitpunkt der Publikation des Artikes überstanden hat). Du siehst, liebe Dany, ja, irgendwie ist es ein Druck. Aber es lässt sich irgendwie nicht vermeiden. Mein ganzes Leben war dominiert mit Kindern. Ich war in der Familie erst lange die mit Abstand jüngste, dann die Älteste (Kinder von meinen Cousins kamen recht früh und zahlreich). Ich hab immer die Spiele für die Kleinen organisiert. Mit 16 wurde ich zum erstenmal Patentante, von meiner heute 19jährigen Nichte M. Dann hab ich mit 20 angefangen zu unterrichten, und ich habe jahrelang spanische Kinder in Deutschland unterrichtet und betreut. Inzwischen haben fast alle meine Geschwister größere und kleine Kinder. Mein Bruder Ha hat 2 Kinder aus Peru adoptiert… Meine Freundinnen in Deutschland haben alle mind. 2 Kinder (eine hat Drillinge). Hier in Spanien bekommt nun die erste von meinen Freundinnen das erste Kind, es müsste diese Tage kommen. Und ich liebe es, von Kinder umgeben zu sein. Ich habe meine Zukunft immer mit Kindern gesehen, und schon als Jugendliche hab ich mir immer gesagt, dass ich auch Kinder adoptieren würde, wenn ich keine bekommen könnte. Nun sehe ich die Realität an meinen adoptierten Neffen, ohne den beschönigenden, illusorischen Schleier, den man oft vor dem Blick auf Adoptionen trägt, und ich würde weiterhin adoptieren… Ich habe selbst in den ca. 15 Monaten, die ich jetzt schon zu Dr. Pannenhilfe gehe nicht gelernt, mir mein Leben komplett ohne (eigene) Kinder vorzustellen. Ich versuche zu lernen, mir es vorzustellen, dass mein Leben schön sein könnte, auch wenn ich keine Kinder habe. Und mit der Zeit mache ich meine Schritte, und komme dem Moment immer näher, die Türe zu schließen und zu sagen: “Ich werde keine Kinder haben, aber das macht nichts.” Aber vor dieser Türe bin ich halt noch nicht richtig “angekommen”. Ich bin noch ein paar Schritte von ihr entfernt. Ja, Dany, Du hast Recht. Es ist ein Druck. Und es ist der Grund, warum ich nicht 100% glücklich sein kann. Warum ich nicht aus freiem Halse heraus lachen kann, wie früher. Und warum ich es nicht fertig bringe, mal “einfach so” für mich selbst ein Lied zu singen. Wie früher.
Aber dieses Problem, also dieses unter-Druck-setzen, ist eher MEIN Problem. JR kommt damit im Vergleich besser zurecht, als ich. Er kann sich viel leichter von der Kinderlosigkeit-Problematik distanzieren (immerhin etwas!).
- Du hast vollkommen Recht Dany, wenn Du schreibst, dass im Endeffekt JR alleine diese Probleme durch- und überstehen muss. Ich kann nichts anderes tun als für ihn da zu sein und ihm ein beruhigendes Umfeld zu schaffen. Genau das hatte ich in meinem Posting neulich gemeint. Ich würde ihn jetzt so gern umsorgen können, in dem Sinne: Ich nehm Dir die gesamte Hausarbeit ab, damit Du Dich auf Deine Sachen konzentrieren kannst. Ich lebe Dir einen geordneten Alltag, so gut ich es selbst kann, vor, ich versuche, Dich zu mehr Disziplin zu motivieren, indem ich es vorlebe und nicht indem ich irgendwelche offenen oder versteckten Vorwürfe mache. Das Problem aber ist, dass ich durch meinen gebrochenen Fuß das jetzt nicht kann. Schon wieder stehe ICH im Mittelpunkt. Alles dreht sich um mich und meine Arzttermine. Ich kann nicht kochen, weil ich nicht lang stehen kann und mich mit zwei Krücken fortbewege. Ich kann mir nicht mal ein Glas Wasser aus der Küche holen, weil ich es nicht herumtragen kann. Alles muss für mich gemacht werden, es k… mich nach jetzt mehr als 6 Wochen soooo an… Ich möchte es sein, die ihm das Glas Wasser bringt, die ihn bekocht, die ihn umherkutschiert, usw…. Ich weiß, dass unsere momentane Situation ihm überhaupt nicht hilft. Dann ist es so, dass unsere Mütter ja im Wechsel kommen um uns bei der Hausarbeit zu helfen und uns zu bekochen. Das bedeutet: einerseits weniger Arbeitsbelastung für JR, was gut ist. Und andererseits: mehr Einmischung in unser Leben, Verlust von einem Teil unserer Privatsphäre, was schlecht ist (für uns beide, und das hat ja die Reibereien mit meiner Mutter zufolge gehabt).
Ihr Lieben, ich danke Euch von Herzen für Eure Worte und nein, Ihr seid absolut nicht “besserwisserisch” oder als “Einmischung” rübergekommen, ganz im Gegenteil! Als ich vorgestern meine Sorgen hier gepostet habe, hab ich hinterher Angst gehabt, dass es falsch war, mein Seelenleben sooo offen darzulegen. Ich hatte Angst, dass ich nicht oder falsch verstanden würde. Ihr drei habt mir aber gezeigt, dass Ihr mich sehr wohl verstanden habt! Und dass es kein Fehler war, es hier zu posten. Ihr habt mir Kraft gegeben. Danke Nadine, danke Kathi, danke Dany für Euer Einfühlungsvermögen!







Liebe Masca,
ich habe dieses Posting gelesen und ein paar Tränchen konnte ich mir nicht verkneifen.
Ich hoffe sehr, dass ich jetzt die richtigen oder passenden Worte finde und Du verstehst, was ich sagen will. Es tut mir leid… Ich will Dich nicht bemitleiden, sondern Dir sagen, dass ich Dir es von Herzen gönne, dass eines Tages der Tag kommt, an dem Du sagen kannst: “Ja, ich bin wirklich glücklich, ohne Einschränkungen, zu 100%.” Ich wünsche Dir das so sehr, egal wie der Weg dahin aussehen mag.
Ich bin froh, dass JR auch zu “Dr. Pannenhilfe” geht. Ich bin mir nicht sicher, ob Du mir das mal erzählt hast. Aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass er es tut. Ich finde außerdem gut, dass Du ihn dazu animierst darüber hinaus noch “Gesprächspartner” zu aktivieren. (Oh das hört sich komisch an…) Auch wenn “Dr. Pannenhilfe” bestimmt gut für JR ist, so sind es auch Gespräche mit Freunden die wichtig sind. Natürlich sind die meisten Freunde keine Fachfrauen und Fachmänner, aber das ist glaube ich auch nicht immer wichtig. Wichtig ist, dass man weiß, dass jemand ist der zu einem hält und der zuhört und einen auch mal in den Arm nimmt. Emotionale Nähe bekommt man von Fachfrauen und Fachmännern nicht (das wäre auch komisch, denn von professioneller Distanz – oder wie auch immer man das nennt -halte ich sehr viel).
Ich drücke JR und auch Dir natürlich ganz fest die Daumen was die berufliche Situation angeht. Das ist doch Ehrensache.
Liebe Masca, auch wenn es abgedroschen klingen mag, ich “leide mit Euch” (klingt ziemlich pathetisch), aber ich bin zuversichtlich… Ich kenne Euch beide und ich weiß (weil ich es gesehen und gespürt habe), dass Ihr beide Euch so sehr liebt. Natürlich hilft Euch Eure Liebe nicht unbedingt manches Problem zu lösen – einen gebrochenen Fuss kann sie nicht heilen – aber Eure Liebe ist Euer Fundament und ohne dieses Fundament wärt Ihr den Problemen hilflos ausgeliefert.
Und ich bin mir sicher, dass Euer Fundament stark und fest ist.
Liebe Masca, ich wünsche Dir, dass Du so schnell es eben geht, wieder unabhängiger sein kannst und Du gesund wirst. Ich kann nur versuchen nachzuvollziehen, wie es ist, wenn man derart abhängig ist und für alles Hilfe braucht. Vor allem wenn man doch selbst gerne Halt und Stütze für jemand anderen sein möchte.
Alles alles Liebe und einen dicken Knuddler
Sommerschwester
PS: Trag Dir mal den 23.05.2009 in den Kalender ein. Aller Voraussicht nach findet dort ein Ereignis statt bei dem Eure Anwesenheit ganz herzlich erwünscht wäre.
Liebe Sommerschwester,
Du findest immer die richtigen Worte… *knuddel* das ist so lieb von Dir! Und Du hilfst mir sehr! Schon immer, schon seit sehr langer Zeit, Du weißt das… Ich hab Dich wirklich sehr gern! Ich bin noch ganz gerührt und weiß jetzt nicht, was ich antworten soll… vor allem Dein Absatz über unser Fundament – unsere Liebe – hat mir einen Kloß in den Hals verpasst, das hat mich sehr gerührt! Ja, Du hast damit Recht! Und wenn alles stürmt, wenn alles hinfällt, dann ist da immer noch unser Fundament: und das ist uneingeschränt etwas, woran sowohl JR als auch ich ganz fest glauben, worin wir vertrauen!
Den Termin merken wir uns vor! Ich hoffe, dass das dann auch mit Flügen und Terminierung des Unterrichts/Prüfungen passt! Aber ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, DASS es passen wird!
Alles, alles Liebe!
Masca,
ich habe am Wochenende schon deinen Post gelesen, wusste nur nicht gleich was ich dir dazu schreiben möchte.
Jetzt nach deinen Erklärungen fällt mir das etwas leichter, weil du jetzt auch schon wieder etwas gefestigter wirkst.
Zu JR, den ersten wichtigen Schritt hat er schon gemacht, er weiß das er alleine keinen Weg aus seinen Problemen findet und hat sich schon Hilfe geholt, das ist doch sehr positiv, auch wenn es mit der Umsetzung noch nicht so funktioniert. Aber ich denke auch die Probleme sind nicht von heute auf morgen gekommen, so muss man ihm sicher auch genügend Zeit zugestehen sie anzugehen.
Die Bewerbung ist doch schon ein kleiner Lichtblick und ich drücke die Daumen. Eine neue Herausforderung, würde ihn sicher von vielem anderen ablenken.
Auf keinen Fall darfst du und deine Erkrankung dich dafür verantwortlich machen du meisterst das doch sehr gut finde ich, du setzt dich damit auseinander und bist gut informiert.
Dein Knochenbruch ist ja jetzt nur vorübergehend, und die Belastung durch deine fehlende Mobilität mehr als verständlich, das würde mir auch genauso gehen, meine Mutter und Schwiegermutter jeden Tag hier in meinem nie perfekten Haushalt, Hölle….
Aber das geht vorbei und dann bereitet ihr eure Reise vor…
Zu deinem Kinderwunsch, niemand weiß was morgen ist, ich denke das man seine Kinder, nie vor allem schützen kann, auch gesunden Eltern kann etwas passieren und die Kinder werden dann damit belastet.
Manchmal muss man auch ein Risiko eingehen, um den Weg zum Glück zu suchen und zu finden, denn niemand kann dir später sagen, was wäre wenn…, ich mich damals anders entschieden hätte.
Möchte dich jetzt nicht irgendwie kritisieren sondern die einfach meine Gedanken, dazu schreiben.
Welcher Weg der richtige ist, weißt nur du selbst.
Nur du kennst deinen Körper richtig gut, horche immer wieder in dich hinein und folge seinen Signalen.
finde leider beim schreiben immer so schwer die richtigen Worte…
Wünsch dir alles gute und schicke dir liebe Grüße aus dem mittlerweile auch sonnigen Deutschland
Liebe D.
zuerst einmal vielen herzlichen Dank für Deine lieben Worte. Entschuldige, dass ich Dir nicht sofort darauf geantwortet habe, ich habe sie nämlich gelesen kurz nachdem ich mit meiner Schwester C. telefoniert hatte und – obwohl wir ein angenehmes Gespräch hatten – hat mich das ein bisschen aufgeregt, so dass ich dann hinterher Deine Worte nur überflogen habe und im ersten Moment das reininterpretiert habe, was mit an den Worten meiner Schwester aufgeregt hat. Heute hab ich aber darüber geschlafen und sehe, dass Dein Standpunkt ein ganz anderer ist, und ich danke Dir sehr für Deine Mutmachung und Deine Einfühlsamkeit.
Es war so, meiner Schwester hatte ich von dem Besuch bei der Gyn erzählt, und eben von dem, dass “die Patientin ihren Körper am besten kennt und im Endeffekt selbst die Entscheidung dafür tragen muss, was sie tut, der Arzt kann sie nur beraten und Empfehlungen abgeben und ihre Entscheidung dann repsektieren.” Meine Schwester hat sich dann auf diesen Punkt aufgehängt und das mit den Zoladex-Spritzen und letztlich auch implizit (ich kenne sie!) auch auf den Kinderwunsch bezogen. Meine Schwester hatte auch den “Takt”, mir wenige Zeit nach meiner OP zu erzählen, dass sie von mir mit einem Baby im Arm geträumt habe und dass das für sie ein Zeichen sei. Das war sehr lieb gemeint von ihr, denn sie wollte mir damit Mut und Hoffnung machen, aber eigentlich hatte sie damit das Gegenteil bei mir erreicht. Nun gut, meine Schwester hat dann also so ein bisschen die Art, dass ihre Meinung das “Absolute” ist. Obwohl sie es nicht direkt so ausdrückt, kommt es immer, seit jeher, von ihr so rüber. Und gestern eben fing sie wieder damit an, dass ich nur auf mich selbst hören solle und nicht (nur) auf die Ärzte. Implizit meinte sie aber: Ich rate Dir, mit dem Zoladex aufzuhören und Dir darüber Gedanken zu machen, nach Ende der Therapie schwanger zu werden. Sie redete wie ein Wasserfall und kam dann noch mit diesen Geschichten über Alternativmedizin bis hin zu Spontanheilungen an. Ich kann es nicht ab, wenn ich ungebeten (ich hatte sie nicht darum gebeten!) Ratschläge bekomme (auch wenn sie gutgemeint sind), die mich in meiner Verwirrtheit noch mehr verwirren. Also, was ich sagen will, es kommt bei mir immer so rüber wie: “Überleg Dir DAS mal, und dann wirst Du schnell merken, dass ICH recht habe.” Verstehst Du, was ich meine? Ich hoffe, ich habe mich richtig ausgedrückt.
Naja, und nach dem Gespräch war ich noch super verwirrt, ich konnte Dir dann nicht auf Deinen Kommentar antworten.
Beim Abendbrot hab ich dann mit JR noch über alles (Gyn-Besuch und Gespräch mit Schwester) gesprochen, und da meinte er: “WEißt Du, ich war sehr überrascht, dass Du so begeisterst warst von dieser Gyn. Ich war es nämlich nicht!” Ich: “Wieso?” Er: “Weil sie ein Thema (Kinder) angesprochen hat, das Du überhaupt nicht erwähnt hast und worüber Du überhaupt nicht sprechen wolltest. Und weil sie hätte Deine Tränen sofort sehen müssen, und anstelle damit aufzuhören, hat sie weitergemacht. Und hat Dir schon wieder ganz was anderes gesagt, als es Dir andere Ärzte (Dr. Flowerpower) gesagt haben, ohne dass sie eigentlich Deine gewöhnliche Ärztin ist. Ich fand das nicht feinfühlig vn ihr!” Hmmm, ich gebe zu, den gleichen Gedanken wie JR ganz kurz auch gehabt zu haben, aber die Sympathie für die Ärztin war dann bei mir doch größer, so dass ich ihre Kommentare eigentlich nicht als Taktlosigkeit empfunden hatte. Aber in einem hat er Recht: Wären ihre Kommentare nicht gewesen, wäre ich gestern nicht so aufgewühlt gewesen.
Bei Dir, liebe D., kommt das alles aber ganz anders rüber: Du schreibst: “Nur du kennst deinen Körper richtig gut, horche immer wieder in dich hinein und folge seinen Signalen.” Das klingt für mich überhaupt nicht Besserwisserisch (wie doch bei meiner Schwester), sondern einfühlsam und mich stärkend; es ist nicht reißerisch Anti-Ärzte-Meinung (wie doch bei meiner Schwester), sondern objektiv. Und ja, natürlich hast Du Recht, uns kann immer irgendwas passieren, uns kann ein Auto überfahren, ein Dachziegel auf den Kopf fallen… und dann stünde das Kind auch da mit der Trauer und den Problemen… An sowas hab ich natürlich auch gedacht. Trotzdem… Meine Einstellung im Moment ist die, dass ich nichts herausfordern oder riskieren sollte, und eine Schwangerschaft wäre eine Herausforderung, ein Risiko. Ich gehe ja auch nicht bei rot und regem Autoverkehr über die Ampel… Der Rest ist einfach Schicksal…
Liebe D., vielen Dank für Deine Gedanken und Deine aufmunternden Worte!
Schade das du meine Worte in einem falschen Moment gelesen hast, denn genau so wie du sie zuerst aufgefasst hast, sollten sie gerade nicht rüber kommen.
Aber oft hilft ein zweiter Blick und du hast mich ja glaub ich nun auch richtig verstanden, denn ich wollte dir wirklich keine guten Ratschläge geben.
Mein Post sollte dir wirklich nur ein Denkanstoß sein.
Du schreibst hier, öffnest dich uns regst mich zum Nachdenken an und du wirst immer unterschiedliche Kommentare bekommen, auch sicher manchmal welche die du wie bei deiner Ärztin in diesem Moment nicht die Richtigen für dich sind.
Es ist schwierig, ich kenne dich nur durch deine Posts und möchte dich auf keinen Fall irgendwie beeinflussen.
Ich kann deine Entscheidung gegen eine mögliche Schwangerschaft sehr gut verstehen, das Risiko ist nun ja auch nicht zu unterschätzen, wollte dir nur ein wenig Mut machen, deinen Weg zu suchen und das Positive zu sehen.
Liebe Grüße D.
Liebe D.,
ich erkenne mich teilweise selbst nicht wieder, wenn ich so schlechte Tage habe… ich pflichte Dir bei, ja, es ist für Außenstehende total schwierig mit der Situation umzugehen, das Richtige zu sagen… Wie auch nicht! Ich habe mich in den bald 2,5 Jahren seit der Diagnose so verändert, dass ich an bestimmten Tagen hypersensibel auf gewisse Themen reagiere, und ich weiß selbst nicht, warum es an diesem Tag so ist und an anderen nicht. An fast allen anderen Tagen reagiere ich weniger sensibel. Meine “Ups and Downs” sind mir aber bewusst und ich weiß, dass ich Worte und Sätze, die an meinen “sensiblen” Tagen gesagt oder geschrieben wurden, mehrmals hören/lesen muss, weil ich gemerkt habe, dass ICH manchmal den Fehler mache, sie falsch zu verstehen… Deswegen – es geht nicht (nur) darum, ob mein Umfeld die “richtigen Worte” findet, sondern es geht auch und vor allem darum, ob ich diese Worte richtig auffasse. Sprich: es ist ein Problem, das fast immer bei mir selbst liegt. Ich weiß, dass es meine Schwester gut meint. Alles andere wäre ja Taktlosigkeit, und meine Schwester ist das nicht. An jenem Tag war ich aber irgendwie nicht “empfänglich” für ihre Art, die Dinge zu sehen und ihre Art, ihre Meinung zu äußern. Bedeutet, ich kam gerade “touché” aus dem Gespräch heraus, als ich meinen Blog öffnete, da hätte egal was stehen können… Warum auch immer, das kann ich selbst im nachhinein, Tage später, nur schwierig nachvollziehen. Aber wie gesagt, ich arbeite auch an mir: ich glaube ich bin die meiste Zeit recht ausgewogen, und im Prinzip kann man mit mir immer über alles sprechen. Naja… “Alles”… Es gibt halt diese zwei Reizthemen. Das eine ist Schwangerschaft. Das andere ist Tod. Bei diesen zwei Themen kommt es sehr auf meine Tagesverfassung an. Aber ich arbeite an mir, weil ich glaube, dass es nicht gut ist, Dinge zu tabuisieren
Ganz herzliche Grüße an Dich, liebe D. Ich schätze Deine private und auch Deine professionelle Meinung sehr! Und ich bin immer sehr dankbar, wenn Du einen guten Rat für mich hast *knuddel*